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Archiv Rezensionen

Sofie Oksanen: Hundepark

Kiepenheuer&Witsch, 2022, 23€

 

Nach einer gescheiterten Model-Karriere im Ausland kehrt Olenka mittellos in die Tristesse ihrer ukrainischen Heimat zurück. Eine Anzeige, in der attraktive und gesunde Mädchen angeworben werden, scheint der einzige Ausweg - worum es dabei genau gehen soll, bleibt unklar, explizit erwähnt dagegen wird, worum es nicht geht: Nicht um Prostitution, nicht um Ehevermittlung.

Als Olenka in der Agentur vorstellig wird, rechnet sie mit dem Schlimmsten, und so willigt sie sofort ein, als sich herausstellt, dass man von ihr nicht eine Niere will, sondern "nur" ein paar Eizellen. Dank ihrer Auslandserfahrung wechselt Olenka jedoch bald die Seiten und wird von der Eizellenspenderin zur Eizellenspenderin-Vermittlerin. Sie steigt groß ein ins Leihmutter- und Fruchtbarkeits-Business, das vermögenden Paaren aus dem Westen zur Erfüllung ihres Kinderwunsches verhilft . Für viele junge ukrainische Frauen ist dieser boomende Wirtschafts-zweig die einzige Möglichkeit, zu Geld zu kommen.

 

Doch was tun, wenn nicht alles glattläuft, wenn die Spenderin die Hormonbehandlung nicht verträgt, wenn bei der Entnahme Komplikationen auftreten, wenn die Leihmutter während der Schwangerschaft eine so starke Bindung zu dem Kind entwickelt, dass sie es nach der Geburt nicht mehr hergeben will? Dann wird man den Boden der Legalität (und Eizellenspende und Leihmutterschaft sind in der Ukraine legal) verlassen müssen....

Jahre später wird Olenka, die inzwischen ein unauffälliges Dasein als Putzfrau in Oslo fristet, von ihrer einstigen Tätigkeit in der Kinderwunsch-Industrie eingeholt..

 

Ein unglaublich guter, vielschichtiger, informativer Thriller über die Ausbeutung und Kommerzialisierung des weiblichen Körpers.

Michaela Kube

Anna Hope: Was wir sind

Hanser Verlag, 2020, € 22

 

3 Frauen, 3 Wege. Hannah und Cate kennen sich seit ihrer gemeinsamen Schulzeit , Lissa und Hannah haben während des Studiums Freundschaft geschlossen. Alle drei leben als End-Zwanzigerinnen in einer fröhlichen, unbeschwerten WG in London Fields.
Doch es kommt der Zeitpunkt, an dem es gilt, die Weichen für das eigene Leben zu stellen.
Hannah entscheidet sich für verantwortungsvollen Job, Mann, Heirat und Kind – aber das Kind will nicht kommen, und ihre Ehe mit Nathan wird durch den unerfüllten Kinderwunsch auf eine harte Probe gestellt. Cate wiederum bekommt mit einem Mann, mit dem sie zunächst eher aus Pragmatismus denn aus Liebe zusammen ist, ein Kind, und ist als junge Mutter heillos überfordert. Lissa schließlich führt ein wildes Leben als Schauspielerin, mit wechselnden Liebhabern und spärlich gesäten Engagements.

Wie entwickeln sich Frauenfreundschaften, wenn jede für sich die grundlegenden Entscheidungen für ihr Leben trifft? Was trennt, was hält zusammen?

Ein eher leiser Roman, der mit einem untrüglichen Gespür für die kleinsten zwischenmenschlichen Nuancen von verschiedenen Lebensentwürfen erzählt, zwischen denen sich zu entscheiden nicht immer leicht ist… Michaela Kube

Anita Brookner: Ein Start ins Leben
Eisele Verlag, € 20,00

 

„Im Alter von vierzig Jahren wurde Dr. Weiss klar, dass die Literatur ihr Leben ruiniert hatte“. Einen Roman, der so anfängt, will man weiterlesen, vor allem als Buchhändlerin…

Wir hoffen, dass die Geschichte von Ruth Weiss Sie ebenso berühren wird wie uns. Ruths einzige Zuflucht in ihrem wenig liebevollen Elternhaus (Mutter Helen, einst gefeierte Schauspielerin, verbringt ihre Tage mit einem Drink in der Hand im Bett, Vater George sehnt sich nach einer Frau, die in der Lage ist, sich um sich selbst und ihr Zuhause zu kümmern) sind Bücher. Ein Studienjahr in Paris soll die große Wendung in Ruths Leben bringen. Dort erfährt sie zum ersten Mal, was Freiheit bedeutet. Wird sie hier endlich ihrer Einsamkeit entkommen?

Mit ihrem Roman „Ein Start ins Leben“ ist Anita Brookner eine außerordentlich kluge, einfühlsame und stellenweise sehr witzige Tragikomödie gelungen.

Lida Winiewicz, Späte Gegend

Braumüller, 2020, Euro 20

 

Die Autorin, Jahrgang 1928, hat mit diesem Büchlein dem Leben einer armen Bäuerin im Mühlviertel/Österreich ein literarisches Denkmal gesetzt.  Ohne zu beschönigen, aber auch ohne zu verurteilen erzählt die spätere Bäuerin von unendlich harter Arbeit von Kindesbeinen an, der Hunger ist ständiger Begleiter. Es ist so lange nicht her, ein Menschenleben, und doch durchleben wir  als Lesende einen Alltag wie aus der Welt gefallen. Wir können Not und Armut nur erahnen und viele Szenen berühren zutiefst: das nicht erhörte Beten und Hoffen des Mädchens, der gerade aus dem Krieg heimgekehrte Vater möge Bratkartoffel und Zwiebeln nicht ganz aufessen, damit ihr hungriger Bauch ein wenig gefüllt würde. Aber auch die Freude, die sie als Fünfjährige über eine Hirschseifschachtel empfand - und ihr ganzes Leben lang nichts dieser Freude gleichkam. Ein wichtiges Stück Zeitgeschichte, sehr bewegend. Dorothee Luther

Hans Pleschinski: Am Götterbaum

C.H.Beck Verlag, 2021, € 23

 

Eines abends machen sich eine Stadtbaurätin zusammen mit einer Bibliothekarin, einer Schriftstellerin und einem Spezialisten, nebst Ehemann, auf den Weg vom Rathaus zur Villa des Paul Heyse in der Louisenstraße - die Mission: daraus eine literarische Begenungsstätte zu machen, die dem ersten deutschsprachigen Literaurnobelpreisträgers würdig ist! Was, der Mann ist nicht nur eine häßliche Unterführung? Bald wird offensichtlich, dass alle doch sehr unterschiedliche Meinungen haben bzw. Pläne mit der Villa verfolgen.

 

Im Laufe des Fußmarsches entfaltet sich eine wunderbares Bild eines - zu Recht oder zu Unrecht - vergessenen Schriftstellers, eines Literatenfürsten, Größe seiner Zeit und gesellschaftlicher Mittelpunkt Münchens. Ganz en passant wird das heutige München portraitiert, sowie mit einer Vielzahl von Anekdoten seine Geschichte erzählt. Ein Schmaus für alle die München kennen und lieben. Ameli Bischoff

Maria Isabel Sanchez Vegara: Little People, BIG DREAMS

Insel Verlag, 2019, Euro 13,-  4-99 Jahre

 

Eine Bereicherung für jedes Kinderzimmer! Die spanische Autorin Sanchez Vegara erzählt Lebensgeschichten bedeutender Frauen und Männer so, dass bereits Vierjährige verstehen, was Simone de Beauvoir, Maria Montessori, Martin Luther King, Marie Curie und viele mehr begeistert und angetrieben hat. Für die älteren Leserinnen gibt es im Anschluss Fotos und ausführliche Informationen zu den Lebensstationen.  Die Biographien, es gibt bereits 26 Bände, werden von verschiedenen Künstlerinnen illustriert, was die ganze Reihe auch gestalterisch so besonders macht. 4 -99 Jahre. Dorothee Luther

Audre Lorde: Sister Outsider

Hanser Verlag, 2021, € 20

 

Audre Lordes Sister Outsider, 1984 erstmals erschienen, jetzt bei Hanser neu aufgelegt, versammelt Essays,Interviews und Reden der gefeierten afroamerikanischen Schriftstellerin und Aktivistin, so vielschichtig wie ihr Leben und die vielen Facetten ihrer Identität.Ihr Denken, Dichten und Schreiben umkreist die großen Themen Rassismus, Feminismus, Patriachat und Klasse. Lorde spricht in einer Verschränkung von kollektiven und individuellen Blickwinkeln als Frau, die auch ihren Körper, Erotik, ihre Gefühle und ihr Eingebundensein in einer Reihe afroamerikanischer Ahninnen als Quelle ihrer Macht begreift. Viele ihrer Texte blenden zurück in die großen politischen Befreungsbewegungen der 70er und 80er Jahre.

Lordes hellsichtige, scharfe, auch wütende und unnachgiebige Analyse der universellen Mechnanismen von Unterdrückung und Ausgrenzung sind allerdings zeitlos und hochaktuell: Emanzipation, gar Befreiung zu erlangen, ist komplex und bedarf beständigen Aushandelns und Reflektierens. Als visionärer Beitrag zu den aktuellen Debatten um Identitäten, strukturellen Rassismus, um sexualisierte Gewalt und den Preis eines einseitig profitorientierten Wirtschaftens sind Lordes Essays ein einzigartiges Statement. Sich selbst und andere zu ermächtigen, zur Sprache und ins Handlen zu kommen, ist Leitmotiv ihres gleichermaßen poetischen und leidenschaftlichen, wie analytischen Schreibens. Im Kern: wie man Differenz anerkennt, verhandelt und schöpferisch in Aktion bringt: "Nicht Unterschiede lähmen uns, sondern Schweigen." Dominika Hirschler

 

Thomas Hettche: Herzfaden

Kiepenheuer & Witch, 2020, € 24

 

ACHTUNG: Kein Kinderbuch, auch wenn der Untertitel „Roman der Augsburger Puppenkiste“ lautet und wir all den Figuren begegnen, die wir aus der Kindheit kennen, dem Kater Mikesch, der Prinzessin Li Si und Lukas, dem Lokomotivführer. Vielmehr verknüpft Hettche geschickt die magische Ebene der Puppen mit der realhistorischen Ebene der Personen, die diese Puppen erschaffen haben: mit der Geschichte Walter Oehmichens und seiner Tochter Hannelore. Ein Stück gut recherchierte Nachkriegsgeschichte, spannend und dynamisch erzählt. Ein großer Roman über ein kleines Theater! Michaela Kube

Fulvio Tomizza "Die Flöhe in der Oper", illustriert von Axel Scheffler, Jacoby &Stuart 2018

Familie Hupf ist eine kunstsinnige Flohfamilie- man begeistert sich für Oper und schmuggelt sich in den Kleidern des Publikums in die Vorstellung. Wie die wachsende Neugier und Bühnenleidenschaft eines vorwitzigen Flohmädchens eines Abends zu einem handfesten Theaterskandal führt, davon erzählt Saltellina, die nach der Vertreibung ihrer Verwandschaft aus dem Opernhaus kurzerhand selbst zur Darstellerin wird..Im Anhang wird anhand von Skizzen und einem ausführlichen Glossar alles zum Thema Oper erklärt- Axel Scheffler hat die hintergründige kleine Geschichte kongenial, liebevoll und mit einem Augenzwinkern illustriert. Nicht nur für Kinder!   

Dominika Hirschler

Unerhörte Dichte,schiere Schönheit der Sprache,Poesie und Präzision, meisterliche Erzählung und faktengesättigte Reportage,im Stil an Tolstois soziologische Tiefenschärfe und Cechovs zärtlichen Fatalismus gemahnend- Marie Luise Scherers "Akkordeonspieler" vereint all dies in sich. 2004 bereits in Enzensbergers "Die Andere Bibliothek" erschienen, wurde dieses Kleinod von Matthes&Seitz in 2017 einem kleinen Bändchen wieder aufgelegt.In der zentralen Figur des Akkordeonspielers Wladimir Alexandrowitsch Kolenko laufen alle Fäden zusammen und sie verbinden Welten: das heutige Berlin und seine Armutsmigranten, die sich in den U-Bahn-Höfen mit Musikdarbietungen über Wasser halten- die neureichen Russen im Westen - das untergegangene Sowjetreich mit seinen vielen Völkern, die sich stellvertretend in den Reisenden des Berlin-Moskau-Jessentuki-Expresses wiederfinden, in einem "immerwährenden Picknick" auf den Bänken der Schlafwagen versammelt. Die Autorin durchmißt einen gewaltigen Raum, inhaltlich, sprachlich wie geographisch und das auf gerade mal 142 Seiten.

Dominika Hirschler

B wie Backlist: Verzeichnis aller lieferbaren Titel eines Verlages. Im Branchenjargon sind das alle Titel, die nicht zu den Neuerscheinungen zählen. Für uns: Bücher die wir lieben, gerne weiterempfehlen und denen wir auch langfristig einen Platz in unserem Regal einräumen.Neuerscheinungen werden überall besprochen, unsere Backlist entdecken Sie nur hier.

Ein auf den ersten Blick konventionell gestrickter Episodenroman mit großstädtischem Personal, überwiegend in kreativen, freien Berufen tätig, man spielt "Bäumlein-wechsle-Dich".

Nüchtern und scheinbar unbeteiligt beobachtet Jackie Thomae ihre Figuren beim Verlassen und Verlassen werden, bei "einer Art Leiden ohne Klassifikation: urbanes Unwohlsein". In lakonischen Sätzen erschafft sie Klischees, die so real sind, daß im Leser die unangenehme Ahnung dräut: wenn diese Leute Klischees sind, dann muss ich selbst eins sein. Transzendental obdachlose Zeitgenossen jagen rastlos dem Glück, der Erfüllung, der Lust, dem Erfolg und dem Genuß hinterher und hinterlassen dabei bestenfalls Leere, eine Schneise von Schmerz, gar Verwüstung. 

Ein seltsam schwebender Sound schleust in lose zusammengehaltenen Episoden durch die Innen- und Außenwelten der allesamt zu wenig Tiefe begabten, paarungshungrigen und vom Beziehungsalltag desillusionierten Großstädter. Wo sich einer von einer Wahrheit treffen lässt, leuchten Momente der Klarheit auf: immer unberechenbar, oft ungewollt, manchmal unerträglich. Nach kurzem Innehalten dreht es sich weiter, das Karussell der Wahrheiten, Klarheiten, Eitelkeiten, Lebenslügen und der ganze unerklärliche Rest, einfach immer weiter.

Unprätentiös, klug, leise und sehr genau erfasst Jackie Thomae diesen Reigen und das macht den Reiz ihres Buches aus.  Am Ende bleibt der Leser verstört und getröstet zurück: nichts ist von Dauer- nicht einmal der Trennungsschmerz.

Dominika Hirschler

"Schrecklich schön und weit und wild" von Matthias Politycki, Hoffmann und Campe 2017, 22,- Euro

Warum wir reisen und was wir dabei denken- ich habe geschmunzelt, gestaunt und mich mit Vergnügen auf Herrn Polityckis wilde weite und schreckliche schöne Reisen mitnehmen lassen. Kein Reiseführer, ein Metatext über die Paradoxien und Fallstricke der eigenen Wahrnehmung beim Aufbruch in die Fremde. Der Grundton ist melancholisch, die Bilanz pessimistisch, der Reisetrieb des Autors trotzallem notorisch. Ein Buch, das mir Lust gemacht hat, dennoch loszuziehen - auch wenn die Globalisierung, das Internet und der moderne Flugreiseverkehr unsere Welt scheinbar haben schrumpfen lassen: Abenteuer lauern überall.

Dominika Hirschler

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