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Archiv Rezensionen

Fulvio Tomizza "Die Flöhe in der Oper", illustriert von Axel Scheffler, Jacoby &Stuart 2018

Familie Hupf ist eine kunstsinnige Flohfamilie- man begeistert sich für Oper und schmuggelt sich in den Kleidern des Publikums in die Vorstellung. Wie die wachsende Neugier und Bühnenleidenschaft eines vorwitzigen Flohmädchens eines Abends zu einem handfesten Theaterskandal führt, davon erzählt Saltellina, die nach der Vertreibung ihrer Verwandschaft aus dem Opernhaus kurzerhand selbst zur Darstellerin wird..Im Anhang wird anhand von Skizzen und einem ausführlichen Glossar alles zum Thema Oper erklärt- Axel Scheffler hat die hintergründige kleine Geschichte kongenial, liebevoll und mit einem Augenzwinkern illustriert. Nicht nur für Kinder!   

                                                 Dominika Hirschler

Unerhörte Dichte,schiere Schönheit der Sprache,Poesie und Präzision, meisterliche Erzählung und faktengesättigte Reportage,im Stil an Tolstois soziologische Tiefenschärfe und Cechovs zärtlichen Fatalismus gemahnend- Marie Luise Scherers "Akkordeonspieler" vereint all dies in sich. 2004 bereits in Enzensbergers "Die Andere Bibliothek" erschienen, wurde dieses Kleinod von Matthes&Seitz in 2017 einem kleinen Bändchen wieder aufgelegt.In der zentralen Figur des Akkordeonspielers Wladimir Alexandrowitsch Kolenko laufen alle Fäden zusammen und sie verbinden Welten: das heutige Berlin und seine Armutsmigranten, die sich in den U-Bahn-Höfen mit Musikdarbietungen über Wasser halten- die neureichen Russen im Westen - das untergegangene Sowjetreich mit seinen vielen Völkern, die sich stellvertretend in den Reisenden des Berlin-Moskau-Jessentuki-Expresses wiederfinden, in einem "immerwährenden Picknick" auf den Bänken der Schlafwagen versammelt. Die Autorin durchmißt einen gewaltigen Raum, inhaltlich, sprachlich wie geographisch und das auf gerade mal 142 Seiten.                         Dominika Hirschler

B wie Backlist: Verzeichnis aller lieferbaren Titel eines Verlages. Im Branchenjargon sind das alle Titel, die nicht zu den Neuerscheinungen zählen. Für uns: Bücher die wir lieben, gerne weiterempfehlen und denen wir auch langfristig einen Platz in unserem Regal einräumen.Neuerscheinungen werden überall besprochen, unsere Backlist entdecken Sie nur hier.

Ein auf den ersten Blick konventionell gestrickter Episodenroman mit großstädtischem Personal, überwiegend in kreativen, freien Berufen tätig, man spielt "Bäumlein-wechsle-Dich".

Nüchtern und scheinbar unbeteiligt beobachtet Jackie Thomae ihre Figuren beim Verlassen und Verlassen werden, bei "einer Art Leiden ohne Klassifikation: urbanes Unwohlsein". In lakonischen Sätzen erschafft sie Klischees, die so real sind, daß im Leser die unangenehme Ahnung dräut: wenn diese Leute Klischees sind, dann muss ich selbst eins sein. Transzendental obdachlose Zeitgenossen jagen rastlos dem Glück, der Erfüllung, der Lust, dem Erfolg und dem Genuß hinterher und hinterlassen dabei bestenfalls Leere, eine Schneise von Schmerz, gar Verwüstung. 

Ein seltsam schwebender Sound schleust in lose zusammengehaltenen Episoden durch die Innen- und Außenwelten der allesamt zu wenig Tiefe begabten, paarungshungrigen und vom Beziehungsalltag desillusionierten Großstädter. Wo sich einer von einer Wahrheit treffen lässt, leuchten Momente der Klarheit auf: immer unberechenbar, oft ungewollt, manchmal unerträglich. Nach kurzem Innehalten dreht es sich weiter, das Karussell der Wahrheiten, Klarheiten, Eitelkeiten, Lebenslügen und der ganze unerklärliche Rest, einfach immer weiter.

Unprätentiös, klug, leise und sehr genau erfasst Jackie Thomae diesen Reigen und das macht den Reiz ihres Buches aus.  Am Ende bleibt der Leser verstört und getröstet zurück: nichts ist von Dauer- nicht einmal der Trennungsschmerz.

                                                   Dominika Hirschler

"Schrecklich schön und weit und wild" von Matthias Politycki, Hoffmann und Campe 2017, 22,- Euro

Warum wir reisen und was wir dabei denken- ich habe geschmunzelt, gestaunt und mich mit Vergnügen auf Herrn Polityckis wilde weite und schreckliche schöne Reisen mitnehmen lassen. Kein Reiseführer, ein Metatext über die Paradoxien und Fallstricke der eigenen Wahrnehmung beim Aufbruch in die Fremde. Der Grundton ist melancholisch, die Bilanz pessimistisch, der Reisetrieb des Autors trotzallem notorisch. Ein Buch, das mir Lust gemacht hat, dennoch loszuziehen - auch wenn die Globalisierung, das Internet und der moderne Flugreiseverkehr unsere Welt scheinbar haben schrumpfen lassen: Abenteuer lauern überall.

Dominika Hirschler

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