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Empfehlungen

Ilja Leonard Pfeijffer: Grand Hotel Europa

Piper Verlag, 2020, € 25

 

Nach seiner gescheiterten Liebesbeziehung mit der rasanten Italienerin Clio zieht sich der Autor in das altehrwürdige Grand Hotel Europa zurück. Dort trifft er auf die anderen Gäste und Ihre Geschichten: vom Majordomus des Hotels, vom geflüchteten Pagen, von den scheinbar aus der Zeit gefallenen Gästen, sowie neureichen Familien. Parallel dazu rekapituliert er seine Beziehung zu Clio und ihre gemeinsame Zeit.

Im Grunde dreht sich alles aber vor allem um Europa und um die Themen, die uns unter den Nägeln brennen bzw. brennen sollten. Der Autor präsentiert sie, in Geschichten verpackt, auf nonchalante und unterhaltsame Weise, die jedoch nicht an ihrer Ernsthaftigkeit zweifeln lassen. Bleibt für unseren alten Kontinent wirklich nur der Tourismus als Zukunftsperspektive, mit all seinen Auswüchsen, Unwägbarkeiten und Risiken? Es ist ein Roman über unsere europäische Identität und die Nostalgie am Ende einer Ära. „Nach der Lektüre ist man stolz auf diesen Kontinent, aber auch ein bisschen besorgt, wie es weitergehen wird mit diesem Europa.“ SZ. Dem kann ich mich nur anschließen. Ameli Bischoff

Christiane Rittershausen: Mari, Mädchen aus dem Meer, Das Schildkröten-Orakel

Magellan, 2020, Euro 14,- ab 9 Jahre

 

Was braucht es zu einem fantasievollen und spannenden Kinderbuch? Zwillingsgeschwister, eine sprechende Schildkröte, ein Mädchen aus dem Meer, witzige Dialoge, abenteuerliche Rettungsaktionen. Ich verspreche ein wahres Lesevergnügen für 9-11-jährige! Dorothee Luther

 

Marco Balzano: Ich bleibe hier

Diogenes Verlag, 2020, € 22

 

Ein Dorf am Reschenpass zwischen Österreich und Italien, zerrissen, zerrieben zwischen den Fronten, mal deutschsprachig, mal italienisch, aber gerade deswegen so eng mit der Heimat und den Traditionen verbunden. Trina die Dorfschullehrerin hat sie kommen und gehen sehen, doch als die Italiener ihr den Unterricht in Deutsch untersagen geht sie im wahrsten Sinne des Wortes in den Untergrund. Und dann ist da noch das Damoklesschwert des Staudamms. Ein Buch über einfache Leute, die stoisch ihr Leben leben, aber auch über Mut und Widerstand, wenn es um ihre Identität geht. Ein archaisches Buch. Ameli Bischoff

Sophy Roberts: Sibiriens vergessene Klaviere

Zolnay Verlag, 2020, € 26

 

Sophy Roberts musische Spurensuche in die Vergangenheit und Gegenwart Sibiriens ist außergewöhnlich und fesselt von der ersten bis zur letzten Seite! Und das sagen andere:

 

„Eine außerordentliche Reise durch Musik, Exil und Landschaft“ Edmund de Waal

 

"Sibiriens vergessene Klaviere ist die wahrscheinlich schönste Sammlung von Überlebensgeschichten des Jahres. ... Und eine Liebeserklärung an eine in Worten eigentlich unfassbare Landschaft ist dieses Buch natürlich auch." Elmar Krekeler, Die Welt


"Eine große Reportage über Sibirien und seine wechselvolle Geschichte, eine Liebeserklärung an die Kraft der Musik und nicht zuletzt eine detektivische Suche nach alten Klavieren. ... Ein so vielseitiges wie fesselndes Buch, dessen verschlungenen Wegen man nur zu gern folgt." Sebastian Fasthuber, Falter

"Journalismus und Poesie." Peter Pisa, Kurier

"Haut voll in die Tasten" Süddeutsche Zeitung

"Das beste Sachbuch, das ich je gelesen habe. ... Brillant erzählt, in einer Sprache, in der sehr viel Herz ist, Seele; in der Roberts in einer überbereisten Welt einen ganz neuen Sound findet, um eine solche Reiseerfahrung zu beschreiben." An
nemarie Stoltenberg, NDR Kultur

Thomas Hettche: Herzfaden

Kiepenheuer & Witch, 2020, € 24

 

ACHTUNG: Kein Kinderbuch, auch wenn der Untertitel „Roman der Augsburger Puppenkiste“ lautet und wir all den Figuren begegnen, die wir aus der Kindheit kennen, dem Kater Mikesch, der Prinzessin Li Si und Lukas, dem Lokomotivführer. Vielmehr verknüpft Hettche geschickt die magische Ebene der Puppen mit der realhistorischen Ebene der Personen, die diese Puppen erschaffen haben: mit der Geschichte Walter Oehmichens und seiner Tochter Hannelore. Ein Stück gut recherchierte Nachkriegsgeschichte, spannend und dynamisch erzählt. Ein großer Roman über ein kleines Theater! Michaela Kube

Fabio Geda: Ein Sonntag mit Elena

HanserBlau Verlag, 2020, € 20

 

Einst baute er Brücken in aller Welt, heute lebt einsam in seiner Mailänder Wohnung. Die Ehefrau ist tot, der Kontakt zu seinen Kindern eher sporadisch und nicht unkompliziert. Eines Sonntags kocht er, nach den Rezepten seiner Frau, ein opulentes Mittagessen für seine Familie, doch alle sagen in letzter Minute ab. Da lädt er kurzerhand die alleinerziehende Mutter Elena und ihren halbwüchsigen Sohn ein. Die Gespräche fließen dahin, Wunden werden aufgezeigt und geschlossen – so reichhaltig und bekömmlich wie ein italienisches Mittagessen. Ameli Bischoff

Aveen Khorschied, Mehmet Ismail Birinci: Komm in meine Küche!

Gräfe und Unzer Verlag, 2020, € 24

 

Planie Puchheim?  Klingt nach Hochhaus-Viertel vor den Toren Münchens. Und genau da sind  Mehmet Ismail Birinci und Aveen Khorschied zuständig fürs Quartiersmanagement. Und genau da hatten die beiden eine supergute Idee: Lieber in Kochtöpfe gucken als auf graue Betonwände! Herausgekommen ist eine Sammlung von wirklich authentischen Rezepten aus aller Welt, garniert mit persönlichen  Geschichten der Planie-Bewohnerinnen und – Bewohner. 21 Nationen, 1 gemeinsames Kochbuch. So geht‘s auch. Michaela Kube

Lou Beauchesne, Kate Chappell: Anton das Bison

Carlsen Verlag, 2020, 9 €, 4 – 7 Jahre

 

Ein frisch erschienener Jetzt-schon-Klassiker, der in jede private Kinderbibliothek gehört! So entzückend, herzzerreißend und ziemlich gegen den Strom spielt sich die Geschichte von dem kleinen Bison ab, das eigentlich ein gezeichnetes ist und eines Tages aus seinem angestammten Buch herausfällt. Jetzt sitzt Anton durch einen blöden Zufall verlassen in einer öffentlichen Bücherei und weiß nicht mehr, wie er zu seinem liebsten Freund Louis, dem kleinen Besitzer des Buchs, zurückkehren kann. Aber immerhin will die Bibliothekarin, die das Zottelwesen entdeckt, ihm helfen. Schaffen die beiden Freunde es, am Ende dieser Odyssee wieder zusammen zu finden? Und während man das (vor)liest, verdrückt man schon die eine oder andere Rührungsträne, kichert man über über die herrlichen Haken, die dieses Buch in seinem feinen Text und seinen supernetten Zeichnungen, schlägt. Katja Nele Bode

Uta Seeburg, Der falsche Preuße

Harper Collins, 2020, Euro 22

 

Wir befinden uns im Jahr 1894.  Der preußische Offizier Wilhelm von Gryszinski ist nach München berufen worden, um eine kriminalistische Abteilung im  Gendarmeriekorps des Königreich Bayerns aufzubauen.  Es werden nicht nur die Trambahnen  von Pferden gezogen, auch die Kriminalstik steckt noch in den Kinderschuhen. Wer nun Angst vor Langeweile hat, der irrt: Gryszinski sieht sich als Pionier der modernen Kriminalistik und kann dies an seiner ersten Leiche in den Isarauen beweisen. Spurensicherung am Tatort, Fingerabdrücken  und Obduktion werden so anschaulich beschrieben, dass wir die sonst übliche Action nicht vermissen. So viel sei noch gesagt: das Mordopfer ist Bierbeschauer, die Ermittlungen führen zu einem exzentrischen Unternehmerehepaar und ein Duell im Morgengrauen geben dem sehr unterhaltsamen und spannenden historischen Krimi die letzte Würze. Dorothee Luther

Maria Isabel Sanchez Vegara: Little People, BIG DREAMS

Insel Verlag, 2019, Euro 13,-  4-99 Jahre

 

Eine Bereicherung für jedes Kinderzimmer! Die spanische Autorin Sanchez Vegara erzählt Lebensgeschichten bedeutender Frauen und Männer so, dass bereits Vierjährige verstehen, was Simone de Beauvoir, Maria Montessori, Martin Luther King, Marie Curie und viele mehr begeistert und angetrieben hat. Für die älteren Leserinnen gibt es im Anschluss Fotos und ausführliche Informationen zu den Lebensstationen.  Die Biographien, es gibt bereits 26 Bände, werden von verschiedenen Künstlerinnen illustriert, was die ganze Reihe auch gestalterisch so besonders macht. 4 -99 Jahre. Dorothee Luther

Robert Seethaler: Der letzte Satz

Hanser Verlag, 2020, € 19

 

Nein, keine Romanbiographie des Komponisten Gustav Mahler von der Wiege bis zur Bahre. Statt dessen ein hinreißendes Portrait des Künstlers als alter Mann: Mahler auf seiner letzten Atlantiküberquerung, vom quirligen New York zurück nach Wien. Rückschau und Reflexion. Höhe- und Tiefpunkte eines bewegten Künstlerlebens. Kein Wort zuviel. Verdichtung durch Reduktion. Ein echter Seethaler. Michaela Kube

Karina Urbach: Das Buch Alice 

Propyläen Verlag, 2020, € 25

 

Die junge Alice musste in ihrem Leben viele Hürden überwinden: Sie war die Tochter eines wohlhabenden jüdischen Stoffhändlers in Wien. Der nur die seiner Kinder wahrnahm, die intellektuell und schulisch brillierten. Die kleine Alice fing an, sich in der Küche der familieneigenen Köchin umzusehen, versuchte den Vater mit Speisen zu bezirzen. Vergeblich. Sie wurde verheiratet an einen Arzt, ein übler Trinker und Frauenheld. Ihre Mitgift verspielte er. Als er endlich starb, eröffnete Alice, die sich und zwei Söhne durchbringen musste, eine Kochschule. Und wurde eine Wiener Institution, so wunderbar waren ihre Rezepte, so inspirierend ihr Unterricht. Nach der Machtergreifung durch die Nazis musste Alice fliehen, einer ihrer Söhne wurde deportiert… Jahre nach der überlebten Katastrophe entdeckt sie in Amerika das damals von ihr verfasste Kochbuch (ein Bestseller!) – zu ihrem Entsetzen unter falschem Namen. Ihre Enkelin Karina Urbach, eine Historikerin, hat diese bewegende Geschichte nun unter dem Untertitel „Wie die Nazis das Kochbuch meiner Großmutter raubten“ aufgeschrieben, und das ist ein großes Glück. Ein mitreißendes Buch, das von der Wonne des Kochens, von der Zähigkeit einer Unerschrockenen und vom herzzerreißenden Drama einer Flucht erzählt. Katja Nele Bode

Lida Winiewicz, Späte Gegend

Braumüller, 2020, Euro 20

 

Die Autorin, Jahrgang 1928, hat mit diesem Büchlein dem Leben einer armen Bäuerin im Mühlviertel/Österreich ein literarisches Denkmal gesetzt.  Ohne zu beschönigen, aber auch ohne zu verurteilen erzählt die spätere Bäuerin von unendlich harter Arbeit von Kindesbeinen an, der Hunger ist ständiger Begleiter. Es ist so lange nicht her, ein Menschenleben, und doch durchleben wir  als Lesende einen Alltag wie aus der Welt gefallen. Wir können Not und Armut nur erahnen und viele Szenen berühren zutiefst: das nicht erhörte Beten und Hoffen des Mädchens, der gerade aus dem Krieg heimgekehrte Vater möge Bratkartoffel und Zwiebeln nicht ganz aufessen, damit ihr hungriger Bauch ein wenig gefüllt würde. Aber auch die Freude, die sie als Fünfjährige über eine Hirschseifschachtel empfand - und ihr ganzes Leben lang nichts dieser Freude gleichkam. Ein wichtiges Stück Zeitgeschichte, sehr bewegend. Dorothee Luther

Bejamin Myers: Offene See

DuMont Verlag, 2020, € 20

 

Dem jungen Robert ist ein Leben als Bergarbeiter vorbestimmt, wie allen in seiner Familie. Doch er liebt die Natur und entflieht der Enge seiner Bergarbeiterheimat im Norden Englands. Zu Fuß landet in einem kleinen Ort am Meer – Weite und Freiheit für ihn. Dort nimmt ihn die ältere Dulcie unter ihre Fittiche. Einer Frau wie Dulcie ist er noch nie begegnet: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Sie eröffnet ihm eine völlig neue Welt. Doch als er auf ein Geheimnis stößt macht Dulcie zu. Ein schönes, wie bewegendes Buch. Ameli Bischoff

Kristof Magnusson: Ein Mann der Kunst

Kunstmann Verlag, 2020, € 22

 

Kunstbegeisterte Unternehmersgattin mit viel Geld, ein junger Kunsthistoriker mit viel Idealismus und ein gealterter Malerfürst mit viel Wut auf den schnöden Kommerz, zu dem die hehre Kunst verkommen ist: Aus diesen Zutaten strickt Magnusson eine überaus amüsante Satire auf den Kunstbetrieb, ohne seine Charaktere der Lächerlichkeit preiszugeben. Hurz mit liebevollem Augenzwinkern. Michaela Kube

Maggie O`Farell: Judith und Hamnet

Piper Verlag, 2020, € 22

 

Ein ergreifender Roman über Shakespeare als Ehemann und Vater - und wie aus Leben und Leiden große Literatur entsteht.

Auch im Mittelalter stand hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau und so nimmt Agnes den jüngeren Lateinlehrer an ihre Hand und als Mann. Sie lässt ihn, trotz der gemeinsamen Kinder Judith und Hamnet und trotz finanzieller, wie familiärer Schwierigkeiten sein Leben in London leben. Doch dann kommt die Pest und mit ihr das Leid. Am Ende steht Shakespeares größtes Theaterstück Hamlet. Ein eindringliches Zeitgemälde mit einer starken Frau im Mittelpunkt. Ameli Bischoff

Monique Truong, Sweetest Fruits

C.H. Beck Verlag, 2020, € 23

 

Monique Truong lässt in ihrem Roman eine junge Griechin, eine ehemalige Sklavin aus Kentucky und die Tochter eines Samurai ihre Lebensgeschichte erzählen. Drei außergewöhnliche Frauen - Mutter, Geliebte, Ehefrau - und drei höchst unterschiedliche Leben ergeben die Lebensgeschichte des englischen Lyrikers und Autors Lafcadio Hearn(1850 - 1904). Monique Troung lässt die drei starken Frauen lebendig werden und in der Art, wie sie ihr Leben selbstbestimmt leben, ausgesprochen modern wirken. Ameli Bischoff

Charlotte Wood: Ein Wochenende

Kein & Aber, 2020, € 22

 

Dieses Buch ist ein Glücksfall. Weil ich schon lange kein Buch mehr über vier Frauen gelesen haben, das auf magnetische Art so unterhaltsam, aber gleichzeitig unglaublich präzise im Beobachten menschlicher Untiefen ist. Der Plot – drei Freundinnen müssen nach dem Tod der vierten im Bunde deren kleines Wochenendhaus entrümpeln… Das anstrengende Treffen (man ist nicht mehr jung!) wird nicht nur angefüllt sein mit flirrender Nostalgie und wehmütigem Rückblick, sondern das Trio erkennt auch, wie schlecht es ohne die Verstorbene funktioniert. Was diesen Geheimtipp so stark macht: Es seziert wirklich gnadenlos die Schrullen, Egoismen und Versäumnisse eines langen Lebens, aber es schaut mit großer Zärtlichkeit auf die Unvollkommenheit des Daseins. Man liest es in einem weg und muss dauernd beim Lesen rufen: Verdammt, genau so ist es! Katja Nele Bode

Ralf Horzon: Das neue Buch

Suhrkamp Verlag, 2020, € 20

 

Es wurde aber auch Zeit: 10 Jahre nach dem Erstling des Berliner Tausendsassas (Möbelhändler, Apfelkuchenlieferdienst-

organisator, Schriftsteller, Designer)nun der zweite Roman. Um was geht‘s? Um die Schwierigkeiten, ein Buch zu schreiben. Schließlich soll es ja ein nobelpreiswürdiges Buch werden! Neben Einblicken in den Kreativstau eines Autors gewinnen wir auch Einblicke in die Berliner Party- und Fashionszene, die uns brave Münchner*innen vor Neid erblassen lassen. Ein Buch wie eine schillernde Seifenblase. Ein luftiger Hauch von nichts. Aber so kurzweilig und vergnüglich an sämtlichen Problemen der Gegenwart vorbeizuschreiben, das ist auch eine Kunst. Michaela Kube

Elke Heidenreich: Männer in Kamelhaarmänteln

Hanser Verlag, 2020, € 22

 

Das pure Lesevergnügen - eine Sammlung von Kurzgeschichten rund ums Thema Kleidung, kurzweilig, intelligent, teils urkomisch. Elke Heidenreich plaudert aus ihrem Leben und Nähkästchen - alleine die Titel gebende Geschichte über ihren treulosen Vater im besagten Kamelhaarmantel ist das Buch wert. Für alle, die gut unterhalten werden wollen. Ameli Bischoff

Mercedes Spannagel: Das Palais muss brennen

Kiepenheuer&Witch, 2020, € 18

 

"Das Palais muss brennen" ist Romandebüt und grandioses Feuerwerk einer jungen österreichischen Autorin. Die Protagonistin Luise und ihr Mops Marx führen uns mit viel Sprachwitz durch das dekadente Elternhaus und die Straßen von Wien. Widerstand ist angesagt, und das mit viel Einfallsreichtum und Chuzpe. Die eigene Mutter, rechtskonservative Bundespräsidentin, soll als Kopf der rechten korrupten Elite enttarnt werden. Mit von der Partie sind Freundin Lili, der Geliebte Jo, sowie der Sohn eines bekennenden Rechten.  Wahnsinnig schräg. Dorothee Luther

 

Thilo Krause, Elbwärts

Carl Hanser Verlag, 2020, € 22

 

Zusammen mit Freundin und kleiner Tochter kehrt der Ich-Erzähler in die Gegend zurück, in der er zu DDR-Zeiten die ersten Jahre seines Lebens aufgewachsen ist: In die sächsische Schweiz. Die Beweggründe sind vielfältig – ein gewisses Gefühl der Verlorenheit, die kriselnde Beziehung und nicht zuletzt Vito, der Freund aus Kindertagen, der damals bei einer gemeinsamen Kletterei ein Bein verloren hatte, ein Unfall, an dem der Ich-Erzähler nicht unbeteiligt war….

Doch während die Landschaft mit ihrer unvergleichlichen Schönheit den Ich-Erzähler sofort wieder in ihren Bann zieht, verhalten sich die Dorfbewohner den Rückkehrern gegenüber äußerst reserviert. Auch ein erster Anlauf zur Versöhnung mit Vito misslingt. Jan, ein tschechischer Busfahrer, ist zunächst die einzige Person, mit der der Ich-Erzähler freundschaftliche Bande knüpfen kann.

Anders als erhofft, führt die Rückkehr zu einer Zuspitzung der Beziehungskrise, und gleichzeitig mehren sich die Spuren, die Neonazi-Gruppen in der Gegend hinterlassen.

Als die Elbe über die Ufer tritt und die Region von einer verheerenden Überschwemmung heimgesucht wird, kommt es zum Showdown: Das Verhalten der Dorfbewohner wandelt sich von Reserviertheit und Misstrauen in offene Gewaltbereitschaft gegenüber dem Einbeinigen, dem Rückkehrer und dem Tschechen.

Ein intensiver Roman über den Versuch der Heimkehr in ein fremd gewordenes Land. Die Landschaftsbeschreibungen so schön, dass man sofort einen Wanderurlaub in der Sächsischen Schweiz buchen möchte… Michaela Kube

Katja Oskamp: Marzahn mon Amour – Geschichte einer Fußpflegerin

Hanser Verlag, 2020, € 16

 

Katja Oskamp ist Mitte 40, die Kinder sind aus dem Haus und ihre schriftstellerischen Ambitionen wenig aussichtsreich, als sie beschließt Fußpflegerin zu werden.Ihr Betätigungsfeld: Marzahn, Hochburg der DDR Plattenbausiedlungen. Was sie dort erfährt und aufschreibt ist umwerfend komisch, aber auch anrührend zugleich. Auch als Hörbuch, von der Autorin selbst gelesen, zu empfehlen - vor allem für die, die der Mundart nicht mächtig sind ;)Ameli Bischoff

 

Lori Gottlieb: Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden

Hanser Verlag, 2020, € 25

 

Wenn Lori Gottlieb die Tür aufmacht, nimmt das Leben bei ihr Platz. Es kommen rein: Narzissmus der übelsten Sorte, Krebs im Endstadium, feste Selbstmordabsichten oder unendlich graue Entschlusslosigkeit. Sie setzt sich dann in ihren Therapeutenstuhl, hört zu und ermahnt sich zur Empathie. Denn sie hat gelernt: Jeder, absolut jeder Mensch, und sei er noch so ein Kotzbrocken, noch so beratungsresistent, noch so schwarzmalerisch, hat einen guten Kern. Die Psychologin, die Medizin studierte und erst als Journalistin arbeitete, legt mit ihrem Buch, das einem auf seinen 500 Seiten ans Herz wächst wie eine geniale Freundin, eine Art Thriller der beschädigten Herzen vor. Einen Thriller mit Happy End! Weil sie von Menschen erzählt, die es schaffen, sich ihrem Schmerz zu stellen und ganz langsam aus ihrem Jammertal heraus zu klettern. Und von sich selbst: Gottlieb wurde kurz vor der Hochzeit von ihrem Freund verlassen und kapiert erst nach acht langen Monaten Selbstmitleid, es war der falsche Mann! Wer dieses Memoir gelesen hat, rüttelt danach heftig und himmelhochjauchzend an seiner persönlichen Gefängnistür! Katja Nele BodeLeben und Arbeiten einer amerikanischen Psychotherapeuthin und man erfährt alles über die menschliche Schlagseite und warum wir es , verdammt nochmal, nicht aus unseren ewigen Mustern schaffen - oder vielleicht doch? Katja Bode

Nick Hornby: Keiner hat gesagt, du sollst ausziehen

Kiepenheuer&Witsch, 2020, € 18

 

Mit seinem unvergleichlichen Humor und seinem Blick für sympathische Antihelden zeigt uns Nick Hornby ein ganz normales Ehepaar und die komischen Seiten einer Ehekrise. Louise 40, Ärztin, und Tom, 44, arbeitsloser Musikjournalist, machen eine Paartherapie, auf Louises Initivative – sie hatte ein Verhältnis und plagt sich mit einem schlechten Gewissen. Tom zieht während der Therapie aus der gemeinsamen Wohnung in ein besetzes Haus. Vor den Sitzungen treffen sich die beiden im Pub, um das durchzusprechen, was die Sitzungen zu Tage fördern. Wie Luise und Tom die Stärken und Schwächen des anderen angriffslustig herausarbeiten, zeugt vor allem von Nähe und Vertrautheit….Michaela Kube

Heinz Janisch, Maja Kastelic: Hans Christian Andersen. Die Reise seines Lebens,

Nord-Süd Verlag, 2020, 16 Euro

 

In zarten, pastellfarbenen Tönen wird die Lebensgeschichte von H.C. Andersen illustriert. Die Rahmenhandlung: eine Kutschenfahrt und ein neugieriges kleines Mädchen, das dem Dichter gegenübersitzt und Fragen stellt. Für die ganze Familie! Und ganz sicher  nimmt man gerne das ein oder andere Märchen aus Kinderzeiten wieder zur Hand um zu lesen und vorzulesen. Dorothee Luther

Patrik Svensson: Das Evangelium der Aale

Hanser 2020, 22 Euro

 

Völlig egal, ob Sie sich jemals über den Aal Gedanken gemacht haben, ob Sie angeln, sich für die Unterwasserwelt begeistern oder mit all dem wenig anfangen können: dieses Buch wird Sie begeistern:  Es gibt kaum ein Lebewesen, das im Lauf der Jahrhunderte  Gegenstand so vieler  Rituale, Mythen und Geschichten geworden ist wie der Aal. In einer ruhigen , klaren und sinnlichen Sprache beschreibt der Autor die Metamorphosen des Aals und die damit zusammenhängenden philosphischen, wissenschaftlichen, religiösen und biologischen Erkenntnisse. Atemberaubend und wunderschön zu lesen.  Das gemeinsame Angeln von Kindesbeinen an mit dem Vater gibt dem Sachbuch einen besonderen Rahmen und macht es umso lesenswerter. Dorothee Luther

Ulrich Hub: Das letzte Schaf
Carlsen Verlag, 13,00 €

von 8 bis 99

Es menschelt sehr in dieser Schafherde, die sich in der Weihnachtsnacht auf den Weg macht, um das Mädchen mit lockigem Jahr zu suchen. Herrlich schräg, nicht wirklich bibeltreu, dabei aber sehr hintersinnig und durchaus eine Botschaft wert! Und wer wissen will, was das originellste Mitbringsel ever für das Neugeborene ist, der kommt nicht an diesem Buch vorbei – eine höchst vergnügliche Lektüre für alle Kinder ab 8 und weit darüber hinaus! Dorothee Luther

Markus Orths: Picknick im Dunkeln

Hanser Verlag, 2020, € 22

 

Treffen sich Stan Laurel und Thomas von Aquin im Dunkeln ...

Eine unglaubliche Begegnung, die den Bogen über siebenhundert Jahre Weltgeschichte spannt: zwei Männer treffen sich in vollkommener Finsternis. Sie wollen ans Licht, tasten sich voran, führen irrwitzige Gespräche und teilen Erinnerungen an zwei unterschiedliche Leben. Der begnadete Komiker trifft auf den großen Denker des Mittelalters. Warum hier, Warum jetzt? Warum gerade sie beide? Genau das müssen sie herausfinden, um ans Licht zu gelangen. Picknick im Dunkeln ist eine aufregende philosophische Reise, eine urkomische und todernste Geschichte über die Fragen des Lebens. Ameli Bischoff

Michael Frank: Schmalensee

Picus Verlag, 2020, € 22

 

Eine Siedlung zwischen Klais und Mittenwald, bewohnt von Flüchtlingen und Aussiedlern in der Nachkriegszeit ist eine Welt für sich und das Zuhause von Michael Frank. Seine Kindheitserinnerungen an die harten Wege zur Schule in sibirischer Kälte, an den grimmigen Vater, geliebt und gefürchtet, an die fromme, aber wissenshungrige Mutter, geben uns einfühlsame und auch lustige Einblicke. Die Kinder bauen sich darin ihre eigene Welt, zwischen Rechtgläubigkeit und ideologischem Aufruhr, unter dem Einfluss von Kirche, Schule und "Besatzern" und den Einbrüchen der Moderne. Ein wunderbar authentischer Roman, nicht nur, aber vor allem für Hiesige. Ameli Bischoff

Olga Tokarczuk: Gesang der Fledermäuse
Kampa
13,00 €


Dieses Buch der letztjährigen Literaturnobelpreisträgerin, bereits 2009 erschienen, ist grandios. Eine Achterbahn der Gefühle, hochspannend, bisweilen verstörend, aber auch schräg und lustig, mit einer hinreißenden Protagonistin.
Lassen Sie sich überraschen, es lohnt sich! Dorothee Luther

Sasa Stanisic: Herkunft
Luchterhand, 2020, TB, 12,00 €


Das muss man erst einmal schaffen, so hin- und herzupendeln zwischen Roman, Autobiografie und Essay, ohne dass der Text zerfällt!

Lassen Sie sich von Stanisic mitnehmen auf seine Erinnerungsstreifzüge durch seine bosnische Kindheit, lernen Sie seine mit großer Zuneigung geschilderte Großmutter kennen, begleiten Sie ihn dabei, wie er als Migrant in Deutschland Fuß fasst. Dorothee Luther

Amor Towles: Ein Gentleman in Moskau

Ullstein TB, 2018, € 12

 

Moskau, 1922. Graf Rostov, ein gebildeter und weltgewandter Adeliger steht vor dem Soviet Tribunal. Er wird verschont, aber sollte er je sein Hotel verlassen, ist er ein toter Mann. All seiner Privilegien beraubt, findet er, nach anfänglicher Verzweiflung, seinen neuen Platz im Leben, Zufriedenheit und wächst am Ende über sich hinaus.

Ein leiser Roman, der den Leser sog artig in die Welt des Grafen zieht und hoffnungsfroh entlässt. Ein Roman, wie er nicht besser in unsere Zeit passen könnte. Ameli Bischoff

Gabriele Tergit: Effingers

Schöffling, 2020, TB, € 14,00

 

»Effingers« ist ein großartiger Familienroman dreier deutsch-jüdischer Familien, gleichzeitig ein politischer Zeitroman von 1878 bis 1948.

Die Autorin, Gerichtsreporterin und Feuilletonistin in der Weimarer Republik,  musste 1933 vor den Nazis fliehen. Entstanden ist ihr Werk in den 30er und 40er Jahren.   

Die Geschichte der Familie Effinger beginnt mit einem Brief des 17-jährigen Lehrlings Paul Effinger, sie endet mit dem Abschiedsbrief des nunmehr 80-Jährigen kurz vor seiner Deportation. Dazwischen treffen wir selbstbewusste, sozial engagierte, patriotische Bürger, Patriarchen ebenso wie starke uns selbstständige Frauen. Tergit schreibt mal bitter und sarkastisch, nie lamentös, mit viel Witz und Mitgefühl. Ameli Bischoff

William Boyd: Blinde Liebe

Heyne Verlag, 2020, € 10,99

 

Brodie Moncur hat das absolute Gehör und gilt als Genie unter den Klavierstimmern. Als er in Paris dem grandiosen Pianisten John Kilbarron begegnet, nimmt sein Leben eine dramatische Wendung. Rasch zeigt sich, dass Brodies Künste für Kilbarron unverzichtbar  sind. Gemeinsam feiern sie Triumphe in ganz Europa, führen in St. Petersburg ein luxuriöses Leben. Doch all das ist für Brodie unwichtig. Der wahre Grund, weshalb er in die Dienste des genialen, aber unberechenbaren Pianisten eingetreten ist, ist dessen Geliebte, die russische Sopranistin Lika.

Brodie weiß, dass diese Liebe unmöglich ist, und setzt doch alles für sie aufs Spiel - auch sein eigenes Leben.

Ein wunderbar geschriebenes Buch, das einen in die damalige Zeit und die Welt der Musiker eintauchen lässt - und eine schöne Liebesgeschichte. Ameli Bischoff

Paula McLain: Hemingway & ich
Aufbau TB Verlag, € 12,00

 

Martha Gellhorn führte ein aufregend untypisches Leben als junge Frau Anfang des 20.Jahrhunderts. Sie folgt ihrem Vorbild Hemingway als Reporterin in den spanischen Bürgerkrieg und beginnt damit ihre Karriere als Kriegsberichtserstatterin.  Was sie immer wieder an die Kriegsschauplätze der Welt und immer wieder in die Arme von Hemingway treibt, wie sich beide schriftstellerisch und als Paar ergänzen  und Gellhorn doch ganz ihren eigen Weg geht - das weiß die Autorin McLain vor dem Hintergrund der weltpolitischen Ereignisse grandios zu schildern. Dorothee Luther

Marie Brunnthaler: Wolf

Eisele Verlag, 2020, TB , 11 €

 

Ein Heimatroman im besten Sinne, archaisch, poetisch, fesselnd.

 

In einem Dorf im Schwarzwald wird 1820 ein verwilderter Knabe aufgefunden, niemand weiß woher er kommt. Man gibt den Halbwüchsigen einer Bauernfamilie in Obhut. Er ist anmutig und schön, will nicht so recht in die Umgebung passen und er besitzt erstaunliche Kenntnisse in der Naturheilkunde. Mehr und mehr Dorfbewohner scheinen dem wundersamen Charme Gabriels zu erliegen und auch im Kloster macht man sich seine Gedanken. Als sich dann die Bäuerin in Gabriel verliebt, spitzen sich die Ereignisse zu. Und die Frage die alle umtreibt ist: Wer ist dieser Fremde, wo kommt er her und was führt er im Schilde? Ameli Bischoff

Wolf Haas: Junger Mann

Hoffmann und Campe, 2020, TB, € 14,00

 

In seinem neuen Roman „Junger Mann“ nimmt uns Wolf Haas mit in seine Jugendjahre:

 

Der Ich- Erzähler, ein übergewichtiger und immer ums rechte Wort verlegener Internatsschüler, arbeitet in den Sommerferien an der Tankstelle und verliebt sich dort Hals über Kopf in die Dorfschönheit Elsa.

Leider die falsche Liga, denn Elsa ist zu alt für ihn, zu schön für ihn und außerdem verheiratet. Und zwar mit Tscho, dem coolsten LKW-Fahrer der Welt.

 

Doch der junge Mann verordnet sich eine strikte Diät und findet Mittel und Wege, sich der Angebeteten zu nähern. Und dann lädt der Tscho ihn ein, ihn auf seiner LKW-Tour nach Griechenland zu begleiten, und alles kommt ganz anders als gedacht…

 

Lakonischer Humor, filmreife Dialoge: ein Haas, wie er leibt und lebt! Michaela Kube

Dave Eggers: Der Mönch von Mokka

KiWi Taschenbuch, 2020, € 12

 

Der 24-jährige Mokthar, als Kind aus dem Jemen nach San Francisco eingewandert, lebt in den Tag hinein. Durch Zufall erfährt von der uralten Kaffeetradition seines Heimatlandes. An diese Tradition will er anknüpfen, lernt alles über Kaffee - und wir mit ihm - macht sich auf in den Jemen um diesen besonderen Kaffee zu fairen Bedingungen und Preisen anzubauen. Der Jemen ist nicht gerade das geeignetste Land für ein Start-Up, aber er trotz den Widrigkeiten und den saudischen Bomben. Seine Firma "Port of Mokha" produziert heute einen der besten Kaffees der Welt.

Eine wahre und unglaubliche Geschichte, unterhaltsam und lehrreich erzählt, ein Lesevergnügen. Ameli Bischoff

Mathias Zantingh: Nach Mattias

Diogenes Verlag, 2020, € 22

 

Ein einschneidendes Ereignis trennt den Fluß der Zeit immer in ein Davor und ein Danach. Und wenn ein Buch „Nach Matthias“ heißt, ahnen wir bereits, dass dieser Matthias nicht mehr da ist. Auf welche Art und Weise der junge Mann aus dem Leben gerissen wurde, erfahren wir erst gegen Ende des Romans. Doch darum geht es gar nicht. Es geht vielmehr darum, was er seinen Freunden und Verwandten bedeutet hat und wie sie mit dem Verlust umgehen.

Acht Leute, die alle auf irgendeine Weise mit ihm verbunden waren, erzählen von „ihrem“ Mattias und lassen so das Gesamtbild eines Mannes entstehen, der das Leben in vollen Zügen genossen und sich mit Freude und Neugier auf alles Neue eingelassen hat.

Trotz des Themas „Verlust“ kein tieftrauriges Buch. Denn am Ende jeder der acht Geschichten bleibt der Blick nicht in der Vergangenheit haften, sondern richtet sich in die Zukunft. Michaela Kube

Ingo Schulze, Die rechtschaffenen Mörder,

S.Fischer Verlag, 2020, € 21

 

Im Zentrum des Romans steht zunächst Norbert Paulini, ein hoch geachteter Dresdner Antiquar, der nach der Wende arbeitslos wird und mit Pegida zu sympathisieren beginnt. Ok, denkt man, ein Roman über Ost-Befindlichkeiten. Doch so einfach macht es uns Schulze nicht, denn zack , kommt eine neue Erzählebene: Im zweiten Teil geht es um den Schriftsteller Schultze (mit t!), der über den Dresdner Antiquar eine Biografie schreibt – also Vorhang auf für ein doppelbödiges Spiel mit Lesererwartungen. Und zack, im dritten Teil, die nächste Erzählebene: Hier wird ein Kriminalfall aufgerollt. Wer spricht? Die Verlegerin des Schriftstellers Schultze, der eine Biografie über den Dresdner Antiquar Paulini schreibt….

Tricky Erzählstruktur, zugleich schalkhaftes und brillantes Hinterfragen von Ossi-Klischees, Bloßstellung des kapitalistischen Literaturbetriebs: Eine Lektüre, die sich lohnt! Michaela Kube

Anna Hope: Was wir sind

Hanser Verlag, 2020, € 22

 

3 Frauen, 3 Wege. Hannah und Cate kennen sich seit ihrer gemeinsamen Schulzeit , Lissa und Hannah haben während des Studiums Freundschaft geschlossen. Alle drei leben als End-Zwanzigerinnen in einer fröhlichen, unbeschwerten WG in London Fields.
Doch es kommt der Zeitpunkt, an dem es gilt, die Weichen für das eigene Leben zu stellen.
Hannah entscheidet sich für verantwortungsvollen Job, Mann, Heirat und Kind – aber das Kind will nicht kommen, und ihre Ehe mit Nathan wird durch den unerfüllten Kinderwunsch auf eine harte Probe gestellt. Cate wiederum bekommt mit einem Mann, mit dem sie zunächst eher aus Pragmatismus denn aus Liebe zusammen ist, ein Kind, und ist als junge Mutter heillos überfordert. Lissa schließlich führt ein wildes Leben als Schauspielerin, mit wechselnden Liebhabern und spärlich gesäten Engagements.

Wie entwickeln sich Frauenfreundschaften, wenn jede für sich die grundlegenden Entscheidungen für ihr Leben trifft? Was trennt, was hält zusammen?

Ein eher leiser Roman, der mit einem untrüglichen Gespür für die kleinsten zwischenmenschlichen Nuancen von verschiedenen Lebensentwürfen erzählt, zwischen denen sich zu entscheiden nicht immer leicht ist… Michaela Kube

Prof. Shane O`Mara: Das Glück vom Gehen

Rowolt Verlag, 2020, € 22

 

Unser tollstes Sachbuch im Moment ist „Das Glück des Gehens“. Ist gerade herausgekommen. Geschrieben hat es der irische Neurowissenschaftler Shane O’Mara. Darin schlüsselt er ganz wunderbar und richtig fesselnd auf, wie wichtig, lebensverändernd und schön es ist, ja, zu gehen. Nicht zu sitzen, nicht in sich zu versinken, sondern ganz schlicht Schritt für Schritt zu machen. Draußen, im Wohnzimmer, irgendwo. Eben auch ein wunderbares Buch in der Krise. Übrigens: Wer geht, kann tausend mal besser denken. Erwiesen! Katja Bode

Nele Brönner: Begel, der Egel

Luftschacht Verlag, 2020, € 22

 

Normalerweise sind Bilderbücher bevölkert von kleinen Tigern, kleinen Bären, kleinen Fischen oder kleinen Siebenschläfern. Höchste Zeit für ein Bilderbuch in dem ein Blutegel die Hauptrolle spielt.

Begel ist von Beruf Physiotherapeut und stolzer Alleinbewohner eines gepflegten Glases auf dem höchsten Regalbrett. Sein Leben verläuft wenig aufregend und gleichförmig. Doch es kommt, wie es kommen muss: Nicht nur ein zweites Glas mit zwei Neuen wird neben dem seinen abgestellt, nein, Begel muss sich ab nun auch noch sein Zuhause mit einem anderen, neuen und viel jüngeren Egek teilen, Ögel sein Name. Begel ist unzufrieden, denn er ist sehr sensibel und braucht viel Ruhe zur Entspannung von seiner harten Arbeit. Und am nächsten Tag passiert es: Beim Einsatz an einem großen Patieneten geht Egel trotz gewissenhafter Erledigung seiner Pflicht verloren und landet an einem viel zu trockenen Ort. Schon fühlt er sich von allen verlassen und verliert das Bewusstsein, doch zum Glück gibt es ein Happy End ...

Äußerst originell und witzig! Michaela Kube

Lorenz Pauli, Kathrin Schärer: Ei, Ei, EI, die Maus hilft aus

Atlantis Verlag, 2020, € 15

 

Die hilfbereite Maus hilft der Amselmama, ihre Eier warmzuhalten. Gar nicht so einfach für die kleine Maus, alle Eier zu bedecken. Aber sie macht ihre Sache gut und in Windeseile spricht es sich herum. Die Meisen bringen ihre Eier vorbei, auf die Eichhörnchenkinder soll aufgepasst werden, und die kleine Maus steht vor immer neuen Herausforderungen. Dieser Waldkindergarten ist herrlich turbulent und Kathrin Schärer überzeugt wie in allen ihren Büchern mit fantasievollen Illustrationen. Ein Buch nicht nur für die Kleinsten und nicht nur für Ostern! Dorothee Luther

Frank Berzbach: Die Schönheit der Begegnung, Eisele Verlag, 20 €

 

Was für eine verblüffend anders geschriebene und ganz eigensinnig vibrierende Lovestory. Der namenlose Ich-Erzähler denkt über die erste Begegenung mit seiner Freundin nach. Über den entscheidenenden Moment, in dem die beiden - von einer Sekunde auf die nächste, irgendwann zwischen Parkbank-Geplauder, Tattoo-Termin und einem gemeimsamen Espresso - zu einem Paar wurden. Er schreibt die Geschichte auf, und stellt fest: Nein, so war es ja gar nicht! Und fängt von vorne an - insgesamt 32 mal ... Lange schon hat, man nicht so zärtlich, verwegen und extrem inspirierend über Anziehung und die Macht des genussvollen Klebenbleibens gelesen. Und das von einem männlcihen Autor!Frank Berzbach ist als Schriftsteller eine Entdeckung! Katja Bode

Stefanie Höfler: Helsin Apfelsin und der Spinner

Beltz Verlag, 2020, € 12,90

 

Ein starkes Mädchen, diese Helsin! Sie kann ihre Wutausbrüche nur schwer kontrollieren, ihre Freunde in der Schulklasse können aber gut damit umgehen – bis ein Neuer in die zweite Klasse kommt und Helsins Leben erstmal auf den Kopf gestellt wird. Denn Louis akzeptiert Helsins „Spinnereien“ nicht und holt sich sehr bald eine blutige Nase. Wie Helsin und Louis lernen, miteinander umzugehen, wie Helsin neben Lügen und Verzweiflung auch schöne Momente erlebt, Freundschaften schließt und über ihre eigene Adoption erfährt, wird für Kinder ab 10 Jahren sehr einfühlsam beschrieben. Dorotee Luther

Wolfgang Schorlau/Claudio Caiolo:

Der freie Hund

Kiepenheuer&Witsch 2020, 16 Euro

 

Wir kennen Schorlau als investigativen Krimi-Autor. Seine brisanten Themen, angefangen von der Treuhand bis hin zu der rechten Szene des 21. Jahrhunderts halten uns seit vielen Jahren in Atem. Und immer ist Verlaß auf seine gründliche Recherche. Im Duo mit seinem italienischen Schriftstellerkollegen Caiolo ist ein packender Krimi entstanden, der ebenso an Aktualität nicht zu wünschen übrig läßt. Tatort Venedig, Thema Kreuzfahrt, Politik und Mafia. Lassen Sie sich überraschen! Katja Bode

 

Jonathan Coe: Middle England

Foilio Verlag, 2020, € 25

 

Das Buch zum Brexit.Rund um den Familien-und Freundeskreis von Ben Trotter verfolgt Jonthans Coes klug-ironische Komödie wie es dazu kommen konnte. Seine Nichte fürchtet, dass ihr Mann ebenso fremdenfeindlich sein könnte, wie seine Mutter unter ihrem Mantel englischer Steifheit. Freund Doug, Journalist und Labour Anhänger, schämt sich für sein Leben im reichen Chelsea, dass sich kaum noch jemand leisten kann. In den vermeintlich idyllischen Midlands kommt eine bizarre Sehnsucht nach Englishness mit seinen festen Werten und Traditionen auf und zieht eine tiefe Kluft durch alle menschlichen Beziehungen. Ab wann lief alles schief? Dieser fein geponnene,unterhaltsame Roman blickt tief in die Seele des englischen Wesens. Ameli Bischoff

Zoe Tucker/ Rachel Katstaller:
Ada und die Zahlen-Knack-Maschine
Nord Süd Verlag
16,00 €
ab 5 Jahren


Augusta Ada Byron, besser bekannt als Ada Lovelace, ist ein wissbegieriges Kind. Sie liest, was sie in der Bibliothek ihres Vaters, des skandalumwitterten Dichters Lord Byron, in die Hände bekommen kann, aber vor allem liebt sie es, mathematische Probleme zu lösen. Zusammen mit ihrem Lehrer, dem Mathematiker Charles Babbage, erfindet sie eine programmierbare Maschine, die ein entscheidender Vorläufer der heutigen Computer ist. Ihre Errungenschaften machten sie zu einer Pionierin für Frauen in den Wissenschaften.

Zoë Tucker hat das abenteuerliche Leben der Ada Lovelace in wenigen prägnanten Szenen zusammengefasst. In ihrem Bilderbuchdebüt illustriert Rachel Katstaller das viktorianische London mit viel Humor.

Und wir freuen uns riesig über ein Bilderbuch, in dem ein Mädchen nicht Erdbeerfee, sondern Mathematikerin werden will - und wird!

Davide Longo: Die jungen Bestien

Rowolt Verlag, 2020, € 22

 

Das ist mein Kriminalroman des Frühlings: Traurig, hart und unfassbar lässig geschrieben. Der Plot: Auf einer Baustelle in der Nähe von Turin werden mehrere Skelette im Erdreich entdeckt. Die vorschnelle Schlussfolgerung – vermutlich ein Partisanengrab aus dem Zweiten Weltkrieg. Fall erledigt! Commissario Arcadipane jedoch entwendet einen Knochen und findet heraus, es handelt sich um die Überreste eines kommunistischen Studenten aus den 70ern. Wurden er und seine Freunde Opfer einer rechten Lynchjustiz? Es geht um vieles in diesem großen Buch: Um die Midlife-Crisis eines älter werdenden Polizisten, um politischen Mord, um beunruhigende Vertuschungen und menschliche Haltung. Aufwühlend, spannend und klug! Katja Bode

Ursula März: Tante Martl

Piper Verlag

€ 20,00

 

In ihrem ersten Roman erzählt Literaturkritikerin Ursula März mit Empathie von ihrer Patentante, einer resoluten, manchmal ruppigen alleinstehenden Dame, die als Lehrerin ihr eigenes Geld verdiente, ein Auto hatte und alleine in den Urlaub fuhr, alles Dinge, die in der BRD der 50er und 60er Jahre nicht an der Tagesordnung waren.
Und doch ist es Tante Martl, die bei aller Selbstständigkeit nie das Elternhaus verlässt, sie ist es, die später in großen Teilen die Eltern pflegt und auch nach deren Tod kein neues Kapitel aufschlägt...
Ein Frauenschicksal in einer Zeit, in der die Wahlmöglichkeiten gering waren: Entweder mehr oder weniger entmündigte Hausfrau und Mutter oder kinderlose Ledige, der der Ruch des Mannweibs anhaftet..
Eine liebevolle Hommage an eine nahe Verwandte.
 

Denise Mina, Klare Sache
Ariadne, 21 Euro


Was für eine geniale Krimi-Autorin, die es unbedingt noch zu entdecken gilt. Die Schottin aus Glasgow arbeitete erst in einer Fleischfabrik, in Bars, als Köchin und als Krankenpflegerin, bis sie schließlich ihr Jurastudium an einer Abendschule abschloss. Sie wurde dann nicht wie geplant Kriminologin - sondern wollte lieber über Missstände und Ungerechtigkeit schreiben. Das macht sie so rasant, unkonventionell und scharfsinnig, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Ihr unglaublich spannender Roman "Klare Sache" erzählt die Geschichte einer Frau auf der Flucht. Weil ihr etwas passiert ist, was keiner wissen darf. Denn wenn die Wahrheit ans Licht käme, würde das Imperium einer sehr reichen und skrupellosen Person ins Wanken geraten. Wie eine einzige Person einem System von Macht, Korruption und Gier die Stirn bietet, liest sich klug, zutiefst menschlich und wahnsinnig spannend. Ein Krimi Noir mit einem guten Schuss Feminismus um eine herrliche Femme normale.

Dana von Suffrin: Otto
Kiepenheuer & Witsch

22,00 €

In den 80er Jahren schrieb der englische Komiker John Cleese zusammen mit einem Psychiater den Ratgeber "Families and how to survive them". Wir wissen nicht mehr, ob dort dazu geraten wurde, sich alles in der Familie Erlebte einfach von der Seele zu schreiben, wir wissen auch nicht, ob Dana von Suffrin diesen Ratgeber gelesen hat, und am allerwenigsten wissen wir, wie stark ihr Romanerstling "Otto" autobiografisch gefärbt ist.

Wir wissen nur eins: Freunde und Freundinnen des tiefschwarzen Humors dürfen sich diese absolut schräge Familiengeschichte um einen siebenbürgisch-jüdischen Patriarchen auf keinen Fall entgehen lassen. Und das Olympiadorf und Trudering kommen auch vor - wenn das keine Argumente sind!

Matthias Brand: Blackbird

Kiepenheuer & Witsch

22,00 €

 

Ja, vorlesen kann er, der Matthias Brandt. Und erst recht aus seinem eigenen Roman: Blackbird ist eine urkomische Coming-of-Age-Geschichte mit ernstem Hintergrund: Als der 15jährige Motte erfährt, dass sein bester Freund Bogi aus heiterem Himmel schwer krank geworden ist, gerät seine Welt aus den Fugen. Und als ihm dann auch noch die von allen umschwärmte Jacqueline Schmiedebach aus dem Einstein-Gymnasium schöne Augen macht, ist es endgültig vorbei mit dem Seelenfrieden. Zwischen diesen beiden Polen, der Möglichkeit des Todes und der Möglichkeit der Liebe, spitzen sich die Ereignisse immer weiter zu.

Doch zum richtigen Zeitpunkt sind die richtigen Leute an Mottes Seite und tun genau das Richtige. Und er selbst schaut den Dingen mutig ins Gesicht, mit scharfem Blick und trockenem Witz.

Barbara Cantini: Mortina. Ein Mädchen voller Überraschungen

dtv junior, ab 5 Jahren

10,95 €

 

Ja, Glitzer und rosa Tüllröckchen wird man bei Mortina vergebens suchen, denn: Sie ist ein kleines Zombiemädchen und lebt mit ihrer Tante und ihrem geliebten Hund Mesto in einem großen Schloss, wo die Treppen quietschen, die Spinnweben in der Luft hängen und die Bilder an der Wand manchmal zu sprechen anfangen. Soweit also alles in Ordnung, nur dass ihre Tante ihr jeden Kontakt zu den Kindern im nahe gelegenen Dorf verbietet, macht Mortina zu schaffen. Nichts wünscht sie sich mehr als Freunde zum Spielen. An Halloween sieht Mortina endlich ihre Chance: Da ja alle gruselig verkleidet sind, wird sie schon nicht weiter auffallen, hofft sie, und schleicht sich heimlich aus dem Schloss....

Eine Gruselgeschichte zum Totlachen für Mädchen und Buben ab 5 Jahren, witzig und mit Liebe zum Detail illustriert von der Autorin höchstpersönlich.

Und, weil Kinder Reihen lieben: Im Februar 2020 wird der zweite Band mit dem sympathischen Zombiemädchen erscheinen!

Dror Mishani: Drei

Diogenes

24,00€

 

Passend zum 3. Dezember präsentieren wir Ihnen heute ein Buch mit dem Titel "Drei". Der Diogenes Verlag bezeichnet dieses Buch als Roman. Vielleicht befürchtet er, anspruchsvolle Leserinnen und Leser verlieren das Interesse, sobald "Krimi" unten drunter steht.. Wir versichern Ihnen: Suspense auf hohem literarischen Niveau. Über die Handlung etwas zu erzählen, ohne zu spoilern, ist gar nicht so einfach, deshalb nur soviel:

Eine Frau sucht ein wenig Trost, nachdem ihr Mann sie und ihren Sohn verlassen hat. Eine zweite Frau sucht nach einem Zuhause und nach einem Zeichen von Gott, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Eine dritte Frau sucht etwas ganz anderes. Sie alle finden denselben Mann. Es gibt vieles, was sie nicht über ihn wissen, denn er sagt ihnen nicht die Wahrheit. Aber auch er weiß nicht alles über sie.

Mit Sicherheit ein Buch, an dem Sie dranbleiben!

 

Simon Mason: Running Girl
dtv
14,99 €


ab 14 Jahren

Geh chillen, Sherlock - hier kommt Garvie Smith. Garvie Smith ist 16, sieht hammer aus, hat ein fotografisches Gedächtnis und den höchsten IQ, den es je an der Schule gegeben hat - plus die miesesten Noten. Wozu auch der Stress? Das Leben nervt total. Nie passiert irgendwas Spannendes … Bis eines Tages die Leiche von Garvies Ex-Freundin Chloe aus dem Teich gefischt wird. Und der junge Kommissar Singh sich bei seinen Ermittlungen einfach zu dämlich anstellt. Jetzt muss Garvie wohl oder übel eingreifen. Langeweile? Endlich mal keine. Schule? Muss halt warten.

George Eliot: Middle March

DTV

28 Euro

 

George Eliot hieß eigentlich Mary Anne Evans, gab sich aber, weil die Zeiten es so wollten, ein männliches Pseudonym. Darunter schrieb sie einen der wichtigsten englischen Romane überhaupt. Im Rückblick gilt die kluge, liberale und selbstbewusste Schriftstellerin als die Chronistin des viktorianischen Zeitalters. Ihr großer Roman, der sich mit dem Leben in einer englischen Kleinstadt um 1830, zu Beginn der Industrialisierung, befasst, kreist vor allem um die junge, schwärmerische Dorothea Brooke, die sich nach einem Wissen über die Welt sehnt, so wie es den Männern erlaubt ist. In ihrem Überschwang heiratet sie einen älteren Gelehrten, auf der Suche nach Inspiration. Eine verhängnisvolle Wahl... Auch die anderen Bewohner von Middlemarch ringen in ihrem Leben um Liebe, Erfüllung und das Recht auf Anerkennung. Ein wunderbar geschriebener Klassiker, aus einer Zeit, als Frauen offiziell noch nicht denken durften. Und ein Must der Weltliteratur! In Neuübersetzung gerade erschienen.

Arthur Dziuk, Das Ting

DTV 2019, ISBN 978-3-423-23006-3,

€ 18,00

 

Zukunftvision, Thriller, Geschichte übers Erwachsen werden - von allem etwas.

 

In Berlin finden sich vier, sehr unterschiedliche, junge Visionäre und gründen ein Start-Up: Grundlage ist Das Ting - eine App, die körperbezogene Daten seiner Nutzer sammelt, auswertet und aufgrund dessen Handlungs- und Entscheidungsempfehlungen gibt.

Die App überzeugt, doch sie hat noch Kinderkrankheiten. Linus, Ideengeber und Mastermind des Ting macht sich an die Optimierung der App, die sein Leben und das künftiger User leichter machen soll. Um neue Investoren für die Firma zu gewinnen, sind er und sein Team bald gezwungen, sich auf ein gefährliches Spiel einzulassen: Sie verpflichten sich vertraglich, künftig unter allen Umständen jeder Empfehlung des Ting zu gehorchen - mit verheerenden Folgen.

 

Daniela Krien

Die Liebe im Ernstfall

Diogenes, € 22,00

 

Hier nur ein Schauplatz, nämlich Leipzig, aber 5 verschiedene, vielfach ineinander verwobene Frauenschicksale, alles Mittdreißigerinnen, die versuchen, ein Leben zu führen, das dem gesellschaftlichen Idealbild von Familie oder zumindest trauter Zweisamkeit entspricht. Und obwohl sie auf ganz unterschiedliche Weise vom Leben und der Liebe gebeutelt werden, erweisen sie sich alle dann doch als bemerkenswert widerstandsfähig. Ein virtuos komponierter Geschichtenreigen, bei dem der Akzent weniger auf Handlung und Action als auf Sprache, Rhythmus und Form liegt.

Jocelyne Saucier

Niemals ohne sie

Suhrkamp Verlag, € 20

 

Wer das erste Buch "Ein Leben mehr" der kanadischen Autorin Jocelyne Saucier gelesen hat, weiß um ihre besonderen Utopien und Lebensentwürfe.

 

Ähnlich gewagt ist der zweite große Wurf - ganz wörtlich zu nehmen, denn wir erleben das wilde und zugleich innig-gemeinschaftliche Familienleben der 23-köpfigen Cardinals in einem entlegenen Ort Kanadas.

 

21 Kinder, die vor nichts und niemand Angst haben. Eine Mutter, die kaum die Küche verläßt, aber auf ihre Weise jedem einzelnen nahe ist. Ein verschrobener Vater, dem das Schürfen in der alten Zinkmine und das Leben mit dem Gestein alles bedeutet.

 

Wirklich alles andere als eine gewöhnliche Familie! Wer sich auf diese Roman einlässt, taucht ein in eine Welt, die aller Rauheit zum Trotz den Glauben an eine selbstbestimmtes, freies und gemeinschaftliches Leben feiert. Unbedingt lesenswert!

 

Lea Singer

Der Klavierschüler

Kampa Verlag, € 22,00

 

1986 verhindern ein paar Minuten Musik einen Selbstmord. Ein Barpianist lotst den Mann, den Schumanns Träumerei rettete, auf eine Reise

in die Vergangenheit - zu dem angstvoll gehüteten Geheimnis eines Jahrhundertpianisten.

 

1937 hatte Vladimir Horowitz in der Schweiz eine Affäre begonnen, mit der er seine ganze Karriere und seine Ehe mit Toscaninis Tochter aufs Spiel setzte. Vor sieben Jahren stieß Lea Singer auf brisante unveröffentlichte Briefe von Vladimir Horowitz an einen jungen Schweizer namens Nico Kaufmann.

 

Der begabte Sohn aus gutbürgerlichem Haus wurde 1937 sein erster Klavierschüler und sein Geliebter. Als Jude verfolgt, war Horowitz Ende der dreißiger Jahre zum Aufbruch ins Exil gezwungen. Ein Trauma, aber auch die Chance, sein Leben zu ändern, sich endlich zu sich selbst zu bekennen.

 

Fünfzig Jahre später erzählt Nico Kaufmann, zu einem Barpianisten herabgesunken, einem Unbekannten von dieser Liebe und ihren nächtlichen Seiten. Er führt den Fremden zu den Luxushotels, in denen Horowitz mit ihm zwei Jahre lang seine Leidenschaft im Verborgenen lebte, und immer näher heran an die brennenden Fragen: Wie viel Mut fordert die Liebe? Und was geschieht mit dem, der seine Sehnsucht verleugnet?

 

Ein packendes Buch über eine unmögliche Liebe in unmöglichen Zeiten, den Kampf eines Genies mit seinen "Dämonen" und die Macht der Musik.

 

 

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Franz Hohler: An liebsten aß der Hamster Hugo Spaghetti mit Tomatensugo, Tiergedichte

Hanser Verlag, € 14,00

 

Heute sind wir faul und lassen einfach einen Text für sich sprechen: Endlich ist wieder ein neuer Band mit superwitzigen Kindergedichten von Franz Hohler erschienen, z. B.:

 

Ein großer grauer Wolf

Der spielte gerne Golf.

 

Das tat er noch und noch

Und traf doch nie ein Loch.

 

Er sagte: "Mir egal-

Spaß macht es allemal."

Recht hat er, der Wolf.…

 

 

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Stephen Fry: Mythos, Was uns die Götter heute sagen, Aufbau Verlag, € 24,00

 

Zügellosigkeit, Lebenslust, Mord und Totschlag, Triumph und Tragödie: Die griechischen Göttersagen sind wilder und wüster als das Leben selbst. Die alten Griechen inspirierten unter anderen Shakespeare, Michelangelo, James Joyce und Walt Disney.

In Stephen Frys brillanter Nacherzählung erwachen sie zu neuem Leben. Wir verlieben uns mit Zeus, sehen die Geburt der Athene und weinen mit König Midas. Meisterhaft und in bester Tradition des britischen Humors zeigt uns Stephen Fry die Bedeutung der griechischen Sagen für die Geburt der Literatur.

 

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Anita Brookner: Ein Start ins Leben
Eisele Verlag, € 20,00

 

„Im Alter von vierzig Jahren wurde Dr. Weiss klar, dass die Literatur ihr Leben ruiniert hatte“. Einen Roman, der so anfängt, will man weiterlesen, vor allem als Buchhändlerin…

Wir hoffen, dass die Geschichte von Ruth Weiss Sie ebenso berühren wird wie uns. Ruths einzige Zuflucht in ihrem wenig liebevollen Elternhaus (Mutter Helen, einst gefeierte Schauspielerin, verbringt ihre Tage mit einem Drink in der Hand im Bett, Vater George sehnt sich nach einer Frau, die in der Lage ist, sich um sich selbst und ihr Zuhause zu kümmern) sind Bücher. Ein Studienjahr in Paris soll die große Wendung in Ruths Leben bringen. Dort erfährt sie zum ersten Mal, was Freiheit bedeutet. Wird sie hier endlich ihrer Einsamkeit entkommen?

Mit ihrem Roman „Ein Start ins Leben“ ist Anita Brookner eine außerordentlich kluge, einfühlsame und stellenweise sehr witzige Tragikomödie gelungen.

 

Ein wunderbar athmosphärischer Roman über einen jungen Iren auf der Suche nach sich selbst und ein Portrait Irlands der 40er Jahre und seiner streng katholischen Moral.

Als uneheliches Findelkind wächst Cyril Avery bei einem exzentrischen Dubliner Ehepaar auf, das ihn zwar versorgt, aber  mehr auch nicht. Auf dem katholischen Internat lernt Cyril den jungen Julian Woodbead kennen und eine innnige Freundschaft entsteht - bis Cyril mehr für Julian zu empfinden

John Boyne: Cyril Avery
Piper Verlag, € 26,00

beginnt und sich dieser zurückzieht.

Einsam und verzweifelt verlässt Cyril letztendlich das Land - ohne zu wissen, dass diese Reise über Amsterdam und New York ihn an den Ort führt, nach dem er immer gesucht hat: Heimat.

Judith Burger: Gertrude Grenzenlos
Gerstenberg Verlag, € 12,95

Gertrud eist neu in Inas Klasse und ist anders als alle Mädchen, die Ina kennt. Sie trägt Westklamotten, ihr Vater ist Schriftsteller und die Familie hat einen Ausreisantrag gestellt. Zum ersten Mal hat Ina eine beste Freundin und merkt nun, dass diese Freundschaft nicht erwünscht ist. Das will sie sich nicht gefallen lassen..

Ein sehr gelungener Einblick für 10-12-jährige LeserInnen in die Zeit der DDR. Und eine wunderbare Freundschaftsgeschichte zweier Mädchen, die füreinander einstehen. Und wer Gertrude Stein noch nicht kennt, lernt auch diese kennen!

Yotham Ottolenghi: Simple. das Kochbuch
Dorling Kindersley, € 28,00


Wer essenspolitisch für die kommenden Tage noch unentschieden ist, der werfe einen Blick in Ottolenghis neues Kochbuch!

Der Name ist Programm, denn die über 100 Rezepte sind erstaunlich einfach zuzubereiten und trotzdem nicht nur für Anfänger interesssant.

Das klare Layout und die schöne Fotografie komplettieren den Genuß.

Guten Appetit!

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